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Akitas Seidentextil, gewebt aus Tradition und Pflanzenfaerbung

Akita Hachijo

Ein traditionelles pflanzengefaerbtes Seidentextil aus der Praefektur Akita, das in der Edo-Zeit entstand und auf eine mehr als 230-jaehrige Geschichte zurueckblickt

Kennzeichnend sind verschiedene Designs wie Karos und Streifen, die auf den drei Grundfarben Tobiiro, Gelb und Schwarz basieren.
Die extrem feinen Seidenfaeden verleihen dem Gewebe eine dichte Struktur und einen eleganten Glanz.
Es wird nicht nur fuer traditionelle Kimonos verwendet, sondern auch fuer Taschen, Krawatten, Geldboersen und Kartenetuis.

Herkunftsort

Praefektur Akita

Geschichte

Seit 1784 (Edo-Zeit)

Hersteller

Akita Hachijo Hamanasu Kobo
Toshiko Narata

Auszeichnung

Traditionelles Kunsthandwerk (Ministerium fuer Wirtschaft, Handel und Industrie)
Zeitgenoessischer Meisterhandwerker (Ministerium fuer Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt)

Reiz von Akita Hachijo

Ruhige Farbtone aus natuerlichen Pflanzenfarbstoffen

Charakteristisches Tobiiro

Eine der Grundfarben, Tobiiro, wird aus der Wurzelrinde der wild an der Kueste der Praefektur wachsenden Hamanasu gewonnen. Akita Hachijo ist das einzige Gewebe in Japan, das mit Hamanasu gefaerbt wird.

Jede Stoffbahn zeigt ein einzigartiges Webmuster

Einzigartige Gewebemuster

Die Kombination aus 1.800 Kettfaeden und Schussfaeden ermoeglicht nahezu unendliche Webmuster.
Zwei identische Gewebe entstehen praktisch nie.
Finden Sie aus diesen einzigartigen Mustern genau das Stueck, das zu Ihnen passt.

Glanz durch sorgfaeltiges Weben feinster Seidenfaeden

Feine Oberflaechenstruktur und Glanz

Bis eine Stoffbahn von etwa 13 m gewebt ist, werden 1.800 Kettfaeden einzeln mit Schussfaeden verflochten; das dauert etwa eine bis eineinhalb Wochen und erzeugt eine weiche, feine Textur sowie schoenen Oberflaechenglanz. Dank der extrem feinen Seidenfaeden ist das Gewebe zudem leicht und angenehm in der Handhabung.

Geschichte von Akita Hachijo

1784 (Edo-Zeit)

Aus dem Sendai-Han in Mutsu ueberliefert

Es heisst, die Technik sei von Takiuemon Ishikawa aus dem Sendai-Han in Mutsu ueberliefert worden.
1792 setzte das Akita-Han Takiuemon als Beamten fuer lokale Erzeugnisse ein und foerderte so die Produktion von Seidenraupenzucht, Weberei und Lackwaren.

1814 (Edo-Zeit)

Entstehung von Akita Hachijo

Jinpei Tadenuma wurde aus Joshu Kiryu (dem heutigen Gunma) eingeladen, um eine Faerbe- und Webindustrie fuer Uneri-Gewebe, Ryumon-Gewebe und Kihachijo-Gewebe aufzubauen. Durch weitere Verbesserungen und Verfeinerungen entstand schliesslich Akita Hachijo.

Indem die von Takiuemon ueberlieferte Technik mit der Raffinesse aus Kiryu kombiniert wurde und Kon'yasuemon sowie Sekikinai mithalfen, gelang es, aus den Wurzeln der an der Kueste der Praefektur wild wachsenden Hamanasu einen eleganten Tobiiro-Farbton zu entwickeln.

1894 (Meiji-Zeit)

Niedergang nach der Bluetezeit

In der Meiji-Zeit erlebte das Handwerk seine Bluete. Um 1894 gab es in Akita 27 oder 28 Webereien, und in manchen Jahren wurden bis zu 60.000 Stoffbahnen gewebt; nach der grossen Depression im Anschluss an den Russisch-Japanischen Krieg mussten jedoch viele Betriebe schliessen.

Danach folgte mit der Verwestlichung und Modernisierung der Gesellschaft sowie zwei Weltkriegen ein allmaehlicher Niedergang. In der Taisho-Zeit blieben nur noch Kenji Senoo, Fusataro Sato und Goro Namekawa (erste Generation der Namekawa-Weberei); seit Showa 4 blieb nur noch Goro Namekawa uebrig.

1980 (Showa 55)

Als immaterielles Kulturgut der Praefektur Akita anerkannt

Akita Hachijo und Akita Uneri wurden als immaterielles Kulturgut der Praefektur Akita anerkannt (Traeger: Shinkichi Namekawa).

Im November 2003 schloss jedoch die letzte noch betriebene Namekawa-Weberei in Akita, wodurch die Produktion voruebergehend unterbrochen wurde.
Auf dem Foto von links: Toshiko Narata, die in der Namekawa-Weberei in der Produktion taetig war, und Shinkichi Namekawa.

2006 (Heisei 18)

Von Toshiko Narata wiederbelebt

Toshiko Narata, die unter Shinkichi Namekawa in der Produktion gearbeitet hatte, uebernahm von ihm die komplette Ausruestung und gruendete 2006 in Kitaakita die Werkstatt "Akita Hachijo Kotomu Kobo", womit sie die unterbrochene Technik von Akita Hachijo wiederbelebte.

Heute bewahrt sie als einzige Ueberlieferungstraegerin die traditionellen Techniken von Akita Hachijo und entwickelt zugleich Produkte weiter, die auch ein modernes Empfinden aufnehmen.

2023 (Reiwa 5)

Umbenennung und Ausbildung eines Nachfolgers

Im April 2023 wurde die Werkstatt nach Tsuzureko Nukazawa in Kitaakita verlegt. Bei dieser Gelegenheit wurde der Name in "Akita Hachijo Hamanasu Kobo" geaendert, und im September desselben Jahres wurde Kentaro Fujiwara als Nachfolger aufgenommen.

Toshiko Narata arbeitet daran, die Zukunft von Akita Hachijo zu sichern, indem sie die traditionelle Technik weiter verfeinert und an Kentaro Fujiwara weitergibt.
Auf dem Foto von links: Kentaro Fujiwara, Toshiko Narata.

Herstellungsprozess von Akita Hachijo

#1 Sammlung der Faerbpflanzen

Die fuer Akita Hachijo verwendeten Farbstoffe werden hauptsaechlich aus natuerlichen Pflanzen gewonnen, die in der Praefektur Akita vorkommen.

【Hamanasu (Rosa rugosa / Rosengewaechse)】
Aus den Wurzeln und der Rinde der wild an der Kueste wachsenden Hamanasu wird ein Farbstoff gewonnen, der den braeunlichen Farbton "Tobihachi" hervorbringt.

【Kariyasu (Miscanthus tinctorius / Suessgraser)】
Das Wildgras Kariyasu wird als Farbstoff genutzt, um das helle Gelb "Kihachi" zu erzeugen.

#2 Auskochen des Farbstoffs

Um Farbe aus Pflanzen zu gewinnen, wird in grossen Kesseln ein Farbsud gekocht.

1. Wurzeln und Rinde der Hamanasu werden in einem grossen Kessel ausgekocht
2. Die ausgekochte Fluessigkeit wird gefiltert und als Farbstoff vorbereitet
3. Auch Kariyasu wird auf dieselbe Weise gekocht, um einen gelben Farbstoff herzustellen

#3 Seidenfaeden faerben

Mit dem gewonnenen Farbsud werden die Rohseidenfaeden gefaerbt.

【Hamanasu-Faerbung / Tobihachi】
1. Die zu faerbenden Faeden werden in Leinensaecke gefuellt und in heissem Wasser ausgezogen
2. Die Farbe wird schrittweise von der Vorfaerbung bis zur Hauptfaerbung fixiert
3. Die Faeden werden so getrocknet, dass sie sich nicht miteinander verheddern

【Kariyasu-Faerbung / Kihachi】
1. Die Rohseide wird gewaschen und von Leimresten befreit
2. Die Faeden werden in den Sud aus Kariyasu getaucht
3. Durch wiederholtes Auf- und Abbewegen wird der Farbstoff tief in die Faeden eingebracht
4. Bis der Sud abkuehlt, werden die Faeden langsam bewegt, damit die Farbe einzieht
5. Mit Holzessig oder aehnlichen Zusaetzen kann ein leicht gruener Ton erzielt werden

#4 Kette vorbereiten

Das Aufziehen der Kette (Ito-maki) ist ein wichtiger Schritt vor dem Weben.
Die gefaerbten Faeden werden auf einen Holzrahmen fuer das Spulen, den sogenannten "Kaseki", gewickelt, um die Spannung auszurichten.
Anschliessend werden sie nach Fadenart und Farbe sortiert vorbereitet.

#5 Kettfaeden auf den Webstuhl spannen

Die Kettfaeden werden einzeln von Hand durch Litzen ("Soko") und das Webblatt ("Osa") gefuehrt.
Da fuer eine 39 cm breite Stoffbahn etwa 1.800 Kettfaeden eingezogen werden muessen, wird drei bis vier Tage lang sorgfaeltig gearbeitet.

Durch das Bewegen der beiden Litzenrahmen kann der Schussfaden hindurchgefuehrt werden.
Das Webblatt ("Osa") bezeichnet zudem den Stab, mit dem die Schussfaeden nach vorn angeschlagen werden.

#6 Weben

In die vorbereiteten Kettfaeden werden Schussfaeden eingetragen, um Streifen-, Karomuster und andere Gewebe zu schaffen.
Fuer eine Stoffbahn von etwa 13 m braucht man rund eine bis anderthalb Wochen.

Der Schusseintrag erfolgt mit einem automatischen Webschiffchen. Dabei wird aufmerksam kontrolliert, damit keine Faeden uebersprungen werden und keine Seidenfaeden reissen.

#7 Fertigstellung des Stoffballens

Die Grundfarben sind "Tobihachi" (Braun), "Kihachi" (Gelb) und "Kurohachi" (Schwarz). Daraus entstehen Stoffbahnen mit schlichten Designs wie Uni, Streifen oder Karos.
Die fertig gewebten Stoffbahnen besitzen einen schoenen Glanz und werden mit zunehmender Nutzung weicher und anschmiegsamer.